Heimat!

Dieses wundersame Wort gehört uns Deutschen ganz allein, ist eine Perle in dem reichen Wortschatz unserer Sprache, die so herrlich zu malen weiß, die mit allen Wurzeln aus deutscher Erde hervorgesprossen ist, aus der es uns heraufklingt wie Abendsäuseln und dann wieder wie einherbrausendes Sturmeswetter. Kein Volk der Erde besitzt ein gleiches Wort, es ahnt aber auch nicht, was aus ihm für das deutsche Gemüt hindurchzittert. Alle versonnene Innigkeit, die ganze Verträumtheit unseres eigensten Wesens, das Bodenständige, die heiße Liebe zu der Scholle, die uns geboren, dies alles flutet zusammen in diesem kleinen Worte: Heimat! Jauchzen und Wehmut, Mutterliebe und verhallendes Abendgeläute, so umweht es uns, wenn das Wort „Heimat“ an unser Ohr schlägt.

August Trinius, der Thüringer Wandersmann.

Quelle: Schlettauer Heimatblätter. 2. Jahrgang, Nr. 1 v. 15. September 1926, S. 1