Bischof Arno von Würzburg

Von Gottfried Thomas, Brandenburg.

Ueber die Christianisierung des Gebietes südlich von Chemnitz laufen die Nachrichten bedauerlicherweise sehr spärlich. Wir müssen uns hier in erster Linie dem alten Dietmar anvertrauen, der auch heute noch als der zuverlässigste Zeuge aus jener dunkelsten Zeit der sächsischen Geschichte gelten muß.

Dietmar, auch Thietmar geschrieben, wurde 975 als Sohn des Grafen Siegfried von Waldeck geboren. Er genoß eine vorzügliche Erziehung in der Klosterschule zu Quedlinburg, darauf im Johanniskloster zu Magdeburg und wurde 1009 Bischof von Merseburg. Er hat sich unvergängliche Verdienste erworben, indem er mit Bienenfleiß die Geschichte seiner Zeit schrieb, und so verdanken wir ihm auch die ersten chronikalischen Berichte über die Gebiete zwischen Saale und Elbe.

Von Dietmar wissen wir nun auch, daß das Werk der Heidenbekehrung in unserer Gegend von Bischof Arno von Würzburg betrieben worden ist. Karl dem Großen war es gelungen, Deutschtum und Christentum bis an die Saale vorzutragen. An der Grenzlinie wurde eine Reihe befestigter Plätze errichtet (Saalfeld, Rudolstadt, Kahla, Dornburg usw.), aber die nach Osten zurückgeworfenen Slaven bildeten ständig eine Gefahr für das Reich. Besonders nach Auflösung des Frankenreiches 843 wurden die Slaven, besonders die Sorben, immer dreister und belästigten durch wiederholte Einfälle das Thüringer Land. So geschah es auch im Jahre 892. In seiner Bedrängnis rief damals Herzog Poppo den Bischof Arno von Würzburg zu Hilfe, der das Schwert ebenso gut wie das Kreuz zu führen wußte. Der kühne Gottesstreiter drang siegreich bis nach Böhmen vor und nahm dann seinen Weg über das Erzgebirge, wo er in den deutschen und slavischen Siedelungen das Evangelium predigte. Es liegt nahe, anzunehmen, daß der fromme Apostel damals auch durch unsere Gegend gezogen ist; wir wissen nämlich aus den Berichten jenes Dietmar von Merseburg, daß Arno im Jahre 892 (nicht 992, wie Adam Daniel Richter im Annaberger Schulprogramm von 1756 vermutet) auf der Klaffenbacher Höhe bei Chemnitz von den heidnischen Sorben erschlagen worden ist.

Auf der Klaffenbacher Höhe befand sich eine alte Opferstätte der Wenden. Richter sucht nachzuweisen, daß in dem Worte „Bach“ das slavische „Bouch“ sich verbirgt, das nichts anderes als „Abgott“ heißt, und daß in „Klaffen“ das slavische „Hlava“ wiederzuerkennen ist, welches „die Höhe“ bedeutet. Man hätte also nach Ansicht des gelehrten Rektors bei Klaffenbach eine dem wendischen Höhengott geweihte Opferstätte zu suchen, in die der furchtlose Bischof eindrang, um dort das Heil von Christus zu verkündigen. Während er unter einem Zelt die Messe las, wurde er von den fanatischen Sorben überfallen und mit den Seinen niedergehauen. (Siehe: Blankmeister „Sächsische Kirchengeschichte“ Dresden 1906.)

Wir wissen, daß die Wenden ihre Kultstätten gern auf waldigen Höhen errichteten. Auch die heidnischen Germanen suchten die Göttersitze auf den Bergen in heiligen Hainen. So haben wir in Mitteldeutschland gerade die Erinnerungen an solche altgermanische und altslavische Opferstätten erhalten, um die natürlich die geschwätzige Zeit einen dichten Kranz von Sagen wand.

Die Leiche des ermordeten Arno wurde wahrscheinlich in der St. Magnuskirche in Colditz beigesetzt. Man will dies daraus schließen, daß der Bischof Itho von Meißen – „ein ganz eigener Herr, welcher, wenn er nicht Messe las, niemals auf dem bloßen Leib ein Hemd zu tragen pflegte, sich nie keiner Pferde gebrauchte, sondern beständig zu Fuß ginge, und über seine Sünden immerzu, und so viel, weinte, daß er beynahe blind davon wurde“ (Richter) –, als er seinen Tod nahen sah (1015), den sehnlichsten Wunsch ausgesprochen hatte, in Colditz neben dem großen Märtyrer begraben zu werden. Der Markgraf erfüllte den letzten Wunsch Ithos nicht, sondern er ließ seine Gebeine in Meißen beisetzen, weil er meinte, „daß dadurch eher die Zerstörung der Stadt abgewendet werden möchte“. Erst nach Jahren ließ der Vetter des Markgrafen, Hermann von Rochlitz, den Bischof, so wie er es gewollt, in Colditz neben dem Märtyrer Arno von Würzburg begraben.

Quelle: Schlettauer Heimatblätter. 2. Jahrgang, Nr. 1 v. 15. September 1926, S. 7.