Das Erzgebirgslied

Kurt Arnold Findeisen.

Oh ihr Berge meiner Väter,
träumerisch und Tannengrün,
dran die braunen Hütten kleben
und die Abendlichter blühn!
O ihr Hänge meiner Heimat!
Tief in Holz und Heidekraut
Hat bei euch sich meine Seele
ach, ein kleines Nest gebaut.

Hoch um eure dunklen Stirnen
Kreist die Wolke wie ein Traum.
Sagenhaft in euren Klüften
wächst der Gold- und Silberbaum
Und das Grubenlämpchen zittert
um verwunschenes Gestein.
O ihr Märchen meiner Heimat,
stillt mein Herz und singt es ein!

Und du allerschönstes Märchen
meines fernen Kinderlands,
erzgebirg’sche Weihnachtswonne,
Christgeburt im Glitzerglanz:
Immer, wenn mein Herz sich härmte
weit verwandert und verstört,
fand es sich in deinem Scheine
waldwärts, wo es hingehört.

O ihr Berge meiner Väter,
tannengrün und träumerisch!
O ihr schlichten Hochlandleute,
liederfroh und lebensfrisch!
O ihr Hänge meiner Heimat!
Tief in Holz und Heidekraut
hat bei euch sich meine Seele
ach, ein kleines Nest gebaut.

Aus K. A. Findeisens Heimatbuch „Mutterland“ (Verlag Ed. Focke, Chemnitz, 3. Auflage).

Quelle: Schlettauer Heimatblätter. 1. Jahrgang, Nr. 3 v. 15. November 1925, S. 2