De verdorbne Weihnachtsgans un de expludierten Blaubeerflaschen

Humoreske von Karl Wendler, Schlettau.

„Alte“, saht mei Vater ze männer Mutter, „ich wills Bargwark reischaffn, do müssn m´r än Stuhl (Posamentierstuhl) nausschlong, daß m´r Platz krieng. ´s war 5 Wuchen vir Weihnachten. M´r hatten 4 Posamentierstiehl in dr Stub stieh, un da sullte nu noch das gruße Bargwark neigerammelt wärn. Nah, da war de Bud ze klaa. Un nu kame doch egal so viel Lottosatzer! Da gabs welche, die 4 Stundn sitzen bliem un wurn nett fartig mit Trame (Träumen) ze drzehln un auszeleng. ´s Trambuch kam nett vun Tisch wag, de meesten wußten aber ´s gruße un ´s klane Trambuch aus´n Kuppe. Da wurn nu Därner, un Solo un Extraten un ah Badeldärner gesatzt, ganz wie dr Tram war, un es kam ah uff de Pfeng ah, die de Lottosatzer hattn. Dr Kreh-Fritz, dr Schtraube-Clemens, dr Bartl-Vinzenz, dr Schneider-Wilhelm un ah de drei Köhlern aus Hermerschdorf warn ständige Gäst in unnern Haus un verstandn den Gram aus´n ff.

Itze ka mersch ja song un dadrvu drzehln, aber frieher, da mußt mr sich in acht namme, dr Schangdarm war hinner dan Lottosatzern har wie hinner paar Brandstiftern. An gefährlichsten warsch fier dn Kulläktär. Wenn se da än drwischen kunnten, dan ham se hochgenumm, daß ´n se de Tramerei vun dn Därnern ä paar Tog sei ließen.

Doch das nur nahmbei! Mir warn 5 Kinner drham, 4 Mäd und ä Gung, dar war iech. Wie schie warsch da immer vir Weihnachten! Do wurn de hibschen Weihnachtslieder gesunge, un jeds hatte was annersch ze bästeln. Dr Vater hatte ä paar neie Schafböck for dr Christgeburt un ah än Hirten, der afstand un blasen tat, vun Weipert mietgebracht, die noch uffs Bargwark naufgericht wern mußten. Denn in Städtel war immer ä dauerndr Wettstreit zwischen dan Bargwarksbesitzern. Ae jeder wullte ´s schennste hohm. Da war dr Hiller-Emil, dr Hofmann-Tischer, dr Günther-Emil, dr Beckert-Wilhelm, dr Liebscht-Paul, dr Seltmann-Karl, dr Beyer-Lui un mei Vater. Jeder wullte ibern annern kumme, un da wurn jedes Gohr neie Finessen ahgebracht un neie Figurn in de Christgeburt neigestellt. Alles, was racht is, die Leit kunnten sich ah sehn lassen, so was gibt’s äm nur in Arzgebarg.

Nu kam dr heilge Ohmd rah. Das war frieher, un ah itze is es noch, dr schennste Tog in Gohr. ´s war alles schieh ahgericht. Neies Schittenstruh log in dr Stub, ´s Rieböllämple uffn Lächter war eigeschitt, dr Kung un de Butterstulln long in dr Kammer uff dan zwa Schtange, die dadrzu ahgebracht warn, un de Gäns, die mr geschlacht hatten, warn ah zerschtückelt. Ze Mittog gabs Linsen un Gänsklah un Bratwurscht. Ohmds imme fimfe sullt gegassen wärn. Mei Mutter hatte ne ganzen Nochmittig de Gans in dr Pfann gebroten. De Hauptsach war, daß ä paar Beifußstengel dragetan wurn, un das hot se orndlich versurgt. Uns Kinnern log aber viel meh dra, was mr nachn Assen zun heiling Christ krieng täten. Mr kunten´s gar nett drwarten.

Unnerdassen wur das weiße Tischtuch aafgedeckt, mei Schwester, de Selma, hotte aus´n Kaller zwa Schwarzebeerflaschen gehult un uff dr Ufenbank geschtellt, daß se ä bißchen iberschlong söllten. Dr Gänsebraten kam rei, mei Vater fing ah, das Flasch ze tahln, un wie er kust, verzog er´s Maul nach allen Himmelsrichting un sahte: „Nu, Alte, was haste dä gemacht? Du hast wuhl anschtatt dn Beifuß ne Warmert (Wermut) drwischt un an dn Gänsbraten drageta? Dr Braten schmeckt doch rindsgallnbitter!“ Mei Mutter schtand wie änne Salzseil da, se wur kasweiß vir Schreck, schlug de Händ zesamme, und in dan Angblick giebts än Knallrich, daß mr denken kunnt, ´s Heisel fliegt in dr Luft. De gruße Wärm vun Ufen hotte de Schwarzbeerflaschen zerruppt, un de Mutter, die gerod drnahm trat, kriegte än uverschamten Flatschrig Schwarzbeern ins Gesicht, un de frischgemangelte Scherz un de neiwaschne Nachtgack warn zun Teifel. Aber ´s schennste noch! De ganze Brieh war an dr Schtumdeck geschpritzt, die sah rappelschwarz aus. Mei Vater hotte de Sprach verlorn. Andlich kam er wieder zur Besinning un sahte: „Da känne mr doch niemand heite reilassen, mr wulln när geleich de Haustier zuschließn.“ Aber schließlich kam ihm odr doch noch ä annrer Gedanke. „Ihr Mäd“, saht er, „laft när geleich ahns zun Schreiter Meirer, daß er noch heite ohmds runnerkimmt un de Däck weißen tut.“

Un anschtatt, daß mr zon heiling Ohmd Gänsbraten assen un hinnerher Bescheerung machen kunnten, rammelte dr Schreiter Meirer in dr Stub mit sein Kallicheemer rim, um´s Stübel vun den Schpurn der Explusionskataschtrofe ze befrein. Das war ä Christohmd, dan vergaß iech mei Lebtog nett. Da warsch ah diesmal nischt miet ´n alten Gebreichen. De Mutter tat sunsten an heiling Ohmd ´s Brot, ´s Salznappel un ´s Tischlicht eiwickeln un uffn Tisch lieng lassen bis zon erschten Feiertog früh. Wer den alten scheenen Brauch hochält, der hots ganze Gahr ze assen un Segen ruht im Haus. Wer den Brauch noch nett gekannt hot, soll ihn eifihrn, er hots gewies nett ze bereie.

Quelle: Schlettauer Heimatblätter. 2. Jahrgang, Nr. 4 v. 22. Dezember 1926, S. 15 – 16.