Die kirchlichen Altertümer in Schlettau (2)

Von Pfarrer Bitterlich.

(Schluß.)

Früher befanden sich in unserer Kirche zwei Glaskronleuchter, die zum Reformationsjubelfeste 1817 gestiftet worden waren, der eine von den Jünglingen und Jungfrauen der Kirchfahrt, der andere von dem Gesamtpersonal der hiesigen Baumwollspinnerei. Beide Leuchter existieren in der alten Form nicht mehr, sondern präsentieren sich jetzt zu einem Leuchter zusammengearbeitet als Beleuchtungskörper, in der Mitte unserer Kirche hängend. Man wollte ursprünglich, als elektrisches Licht in die Kirche hineingelegt wurde, diesen angeblich nicht mehr „modernen“ Leuchter nicht wieder in der Kirche aufhängen. Indes ist es dem Verfasser dieser Zeilen gelungen, den Leuchter der Kirche zu erhalten, er ist für elektrisches Licht installiert worden, und es dürfte wohl wenige Gemeindeglieder geben, die sich nicht an diesem alten schönen Leuchter erfreuten, der sich bei Beleuchtung ganz besonders schön ausnimmt und ein wertvolles Schmuckstück unserer Kirche bildet.

Das Altarkruzifix ist auch schon alt und wahrscheinlich im Jahre 1834 vom Fabrikbesitzer Friedrich August Naumann gestiftet worden. Genaueres läßt sich darüber nicht feststellen. An sogenannten Kirchenornaten ist aus alten Zeiten sehr wenig erhalten. Jedenfalls hat der Zahn der Zeit an diesen Schmuckstücken unserer Kirche auch genagt. Nur ein solches Schmuckstück ist noch erhalten und für den jetzigen Gebrauch umgearbeitet worden, nämlich ein schwer samtnes, purpurfarbenes Altarantipendium mit herrlicher Goldstickerei. Diese zeigt unter einer Krone in Gold gestickt den doppelten Namenszug L. S. und J. D. mit einem ebenfalls goldenen Blätterkranz umgeben. Leonhard Siegel, Bergmeister zu Marienberg und Frau Johanna Dorothea, geb. Kriegkin von hier, haben dieses kostbare Kleid den 26. März 1723, mit einem besonderen in Lapidarstil verfaßten Widmungsschreiben anonym verehrt. Hierbei sei eingefügt, daß unsere Kirche gegenwärtig 4 Bekleidungen besitzt, und zwar eine rote für Festzeiten, eine grüne für gewöhnliche Sonntage, eine violette für Trauerzeiten und eine schwarze für Trauertage. Leider besitzt unsere Kirche noch keine weiße Bekleidung für Herrenfeste. Vielleicht tragen diese Zeiten dazu bei, daß sich einmal ein Stifter für ein derartiges Schmuckstück unserer Kirche findet.

Die alten Glocken sind bis auf die kleine dem Weltkriege zum Opfer gefallen und nicht vorhanden. Als die neuen Glocken im September 1919 auf unseren Turm gebracht wurden, wurde die kleine Glocke anstelle der alten Feuerglocke in der Laterne des Turmes aufgehängt. Ueber diese jetzt nicht mehr vorhandenen Glocken ist folgendes zu berichten:

Die mittlere und kleine Glocke sind laut Inschrift von Michael Weinhold im Jahre 1710 in Dresden gegossen worden. Die mittlere Glocke trug die Inschrift:

„Es gienge plötzlich auf des Donners Ungeheuer,
als mich mit diesen Thurm verzehrte Gottes Feuer.
Nun bin ich wieder neu, man höret meinen Klangk,
Gott und dem Sachsen Held sey dafür Lob und Dank.“

Die kleine Glocke zeigt heute noch die Inschrift:

„Ich nebst der großen und mittleren Glocken
helffe die Leute zum Gotteshaus locken.“

Die große Glocke war mit folgender Inschrift geziert:

„Ich war weit Ueber Einhundert Jahre alt. Habe viel Freud aber auch viel Trauer verkündigt. Zersprang und wurde, als der Kirchthurm im Jahre 1842 abgetragen und neu aufgeführt wurde, in Chemnitz umgegossen von Ernst Gottfried Hann jun.“

Weiter zeigte diese Glocke das Kopfbildnis Friedrich Wilhelms IV. von Preußen, sowie die Kopfbildnisse von Jesus und Luther.

Hierbei sei erwähnt, daß die jetzigen Glocken am 30. September 1919 hier angelangt sind und von der Firma Schilling und Lattermann in Apolda geliefert wurden. Die Töne sind des, f, as, b.

An weiteren altertümlichen Sachen befinden sich in unserer Kirche einige ovale Schmucktafeln mit antiker Malerei, die aus der alten Kirche stammen und vermutlich alte Betstuben geziert haben. Diese Tafeln sind bei der Erneuerung der Kirche wieder hergestellt worden und bilden recht schöne Verbindungsstücke zwischen den einzelnen Emporenfeldern an den unser Kirchengewölbe tragenden Säulen.

Auch unsere Sakristei weist einige altertümliche Stücke auf, die im Jahre 1920 bei der Kirchenerneuerung wieder zu Ehren gekommen sind. Es sind zwei Wappenschilder, das Kursächsische und das Schlettauer Stadtwappen darstellend. Diese beiden Schilder sollen früher die alte Orgel geziert haben und wurden vom Verfasser dieser Zeilen auf dem alten Archivschrank liegend gefunden. In feinsinniger Weise hat es nun der Kunstmaler Richard Morgenthal aus Dresden verstanden, diese beiden Wappenschilder in den 1920 erbauten Sakristeialtar hineinzufügen. Hierbei sind die gedrehten Beine eines alten Tisches mitverwendet worden, der früher in der alten Kirche gestanden hat und bis zum Jahre 1920 in der Leichenhalle ein verachtetes Dasein geführt hat. So ist aus altertümlichen Stücken etwas recht Schönes zusammengeformt worden, das unserer Sakristei ein würdiges Aussehen verleiht.

Bei Kirchenerneuerungen stößt man oft ungeahnt auf sehr wertvolle Dinge, die manchmal recht wenig geachtet werden. Das gilt auch von den Pastorenbildern, die früher auf dem Kirchboden lagen und später in der Leichenhalle gehangen haben sollen. Sie hat Prof. Löhr, als er Kanzel und Altar neu bemalte (vergleiche den 1. Artikel in Nr. 9 des 1. Jahrganges) ebenfalls wieder zu Ehren gebracht, indem er sie ausbesserte und an den Seitenwänden des Altarraumes durch diese Bilder eine gewisse Wärme erhielt.

So weist unsere St. Ulrichskirche eine recht hübsche Anzahl kirchlicher Altertümer auf, an denen vielleicht oftmals achtlos vorübergegangen wird, die aber überaus wertvoll und für den Heimatgedanken überhaupt nicht zu unterschätzen sind. Möchten diese Zeilen dazu beitragen, daß man wieder mehr Sinn bekommt für das alte Schöne, das uns aus alten Zeiten so mancherlei zu künden hat.

 Quelle: Schlettauer Heimatblätter. 2. Jahrgang, Nr. 8 v. 20. April 1927, S. 2 – 3.