Heimat

Oh, sprecht mir nicht von fernen Landen,
In die euch falsche Sehnsucht zieht!
Die Heimat hält mit festen Banden,
Und voller Mahnung klingt ihr Lied:
Magst du mich auch verlassen,
So bleibst du dennoch mein,
Und sollt´ es, müder Wand´rer,
Einstmals im Tode sein!

Frag´ nur der Heimat stolze Wälder,
Den Berg, das Tal, den Fluß, den Grund,
Die weiten, früchteschweren Felder,
Und tönen wird´s aus einem Mund:
Magst du uns auch verlassen,
Wirst immer unser sein,
Selbst wenn in fremder Erde
Vermorscht dein Fleisch und Bein.

Oh, denke nicht, daß deine Liebe
Zum Heimatlande je verglüht,
Selbst in dem tollsten Strudel bliebe
Der deutschen Heimat dein Gemüt.
Du kannst sie nie vergessen,
Du weißt, was sie dir ist.
Sei stolz, mein treuer Bruder,
Daß du ein Deutscher bist!

Gerhard Künzel, Chemnitz.

Quelle: Schlettauer Heimatblätter. 2. Jahrgang, Nr. 5 v. 15. Januar 1927, S. 1.