Mein Vaterhaus

Wenn freundlich der Mond schaut hernieder aus goldener Sternenpracht,
verstummt sind der Vöglein Lieder, nur der Wald rauscht friedlich und sacht,
dann denk‘ ich vergangener Freuden, an Jugend und Heimattal,
an sorglose herrliche Zeiten – und fern klingt’s: Es war einmal!

Wie war es inmitten der Lieben so traulich, so heimatlich schön,
ich dacht‘, es müßt‘ immer so bleiben, an kein Auseinandergehn!
Doch anders ist es gekommen, das Schicksal ist hart wie Stein,
des Lebens Kampf hatte begonnen, es hieß: Geschieden muß sein!

Eins hat mich aufrecht erhalten in der Ferne, in Leid und Not,
unter fremden Menschen und Sitten, im Kampfe um’s tägliche Brot,
in Schicksalsängsten und -Nöten, in Flandern im Kriegsgebraus,
eins war mir immer Gefährte: Der Gedanke an’s Vaterhaus!

Und raubt mir das Schicksal, das stumme, den Glauben an Liebe und Treu‘,
dann denke ich an die Heimat und – dann bin ich wieder frei!
Dann schaue ich frohen Herzens zu den goldenen Sternen hinaus
und bitte sie: Grüßt mir die Heimat und mein teures Vaterhaus!

Eberth.

Quelle: Schlettauer Heimatblätter. 1. Jahrgang, Nr. 2 v. 15. Oktober 1925, S. 2