s´ Kungsing (Kuchensingen)

Eine Jugenderinnerung von Richard Pilz, Schlettau

De Kirmißfeiertog, die itze gerode vir dr Tir stinne, erweckn in mir änne hibsche Erinnering aus der Gungdzeit, die iech dan Lasern unnerer Hametblättr emol drzähln mächt.

50 Gahr is es nu har, wu iech, dr Wittigwaldemar, dr Hanel-Emil, dr Seyfert-Oswald un mei Brudr, dr Arnst zun Friehstick off de Klötzr in dr Adlerfabrik in Walthersdorf beisamme saßen. Mr warn alle Lehrgunge vun 15, 16 Gahrn. Dr Arnst gehöret ängtlich nett miet drzu, dar söllte Litograf wärn in Annabarg, ebber sei Meester in Annabarg war nach Hanuver gezung, wu er harkumme war, un da mußte dr Arnst miet in dr Adlerfabrik, daß ´r äwos verdiene tät.

´s war 8 Tag vir dr Kirmiß. Wie mr unnre Bemm su neiwärgtn, sahte dr Hanel-Emil: „Backt Ihr zr Kirmiß?“ „Na“, sahte dr Woldemar, „do gibt’s bei uns nischt, bei danne Verdienst unerer Väter vun 11, 12 Mark in dr Wuch känne mr ans Kungbackn nett denken.“ Iech saht: „Ebber emol tichtig Kungessen tät iech gar ze gerne, wie wärsch dä, wenn mr zon Sunnohmd Kungsinge ginge?“ Do hot iech dan Nahl uffn Kub getruffn, do warn se gelei all drbei, bluß dr Seyfertswald mahnete: „Singe ka iech nett, ebbr iech mach ´n Kassierer, iech wär schie mei Sach machen.“ „Geld werd nett genumme, när Kung“, sahntn mr alle, un in dar Dischberatiu hattn mr doch ´s Klingeln gor nett gehärt, bis dr Werkfiehrer drzwischen fuhr un uns miet änn granating Dunnerwattr an de Arbeet breschet.

Do worn nu bei känn de Gedanken meh richtig bei dr Ärbett. Dan Nachmitog saht dr Woldemor: „Heit ha iech de ersten Damseln kriegt, iech ha de Politurflasch imgeha.“ Un iech hatte a Pech. Iech hatte än ganzn Stuhs Rahmle imgeha, die worn nei in de annern gefloggen, daß iech änne ganze Stund ha leime müssn. Dan Tritt vergaß iech heit noch nett, dan iech do vun männ Vatr kriegt ho.

Dannselbing Tog wurde ebber noch wetter berotn, wos mr singe wulltn. An Freitag ohmd mr de Prob ahgesetzt. Ben Hanel-Emil, dar wuhnete ziemlich weit diebn an Wald, da höret uns niemand. Zwä sange erste Stimm, zwä de zwäte, dr Uswald brummete ah mal miet drzwischen nei, das klang wie Baß. De Sache klappete und dan Hanel-Emil seine Leit sahten: Do könnt Ihr Ehre eileng miet eiern Gesang. Un dr alte Hänel mahnete, do mißt iech när noch Blaßbalkn drzu spieln, dann wirsch oder fein. Dr Brudr Arnst mahnet ebber, wir wulln ellene sei.

An Sunnohmd im halb Neine worn mr beisamm. Dr Uswald hotte sich fein ahgericht. Er hotte äh weiße Hus ahgezung, än schwarzen Schwenker uh, Zillinder un Vatermärdr un än mächting Schnurrbort ibern Maul un uffn Buckel än Tragkorb. Nu gings ´s Dorf nunner bis zun niedern Haulieb. Da gings luß. Kaum hottn mr än Varsch gesunge, da sällt mr ah schie nei kumme in dr Stub. Iech saht: „Nä, mr ham noch mehr vir, wenn´r uns ä wenig Kung gäm wullt, dann har drmiet.“ Die zähltn de Nosen, un es daurete nett lang, do brochten se 5 Stickl Kung. Dr Uswald zog sein Zillinder un machet änne gruße Verneiging und bedanket sich im Nam dr ganzen Korpuratiu. Un fort gings, dr Uswald virnwag, wir zwa un zwa drhinnr har zun nächstn Gut. Gesunge hom mr wie de Hädel-Lerchen un unern halbn Kung gabs nett. Un bald war mr bis zor Fabrik. Do wur berotn: Sing mr bein Werkfiehrer oddr nett? „Nischt gibbts“, sahte dr Arnst, „dar hat än Haufn Kinner, die brauchen ihrn Kung salberscht, un dr Werkfiehrer is ah in Gasthaus ze Biere, da hört er nischt.“

Nu gings Bargel na un hin, zon Friedchristiantraugott un dann wetter bis zor Sießmiehle, un dort mußtn wir uns entschließn, ob mer ben Gasthuf oddr hinner dr Sießmühl wettr machetn. ´s ging also hintn wag un da gab iech ´n Uswald än Wink, uhne daß es die annern gewahr wurn, un nu gings gelei zon zwaten Haus nei ibersch Pförtl. De Leit schliefen schu, ´s war nirgends ä Lichtle ze sah. Abbr mr stimmtn ah. Mr warn ibern dritten Varsch, da wur Licht un es dauret nett lang, da trat de Gnaufgette miet än Bindel Kung in dr Hand vir uns hie, in der annern Hand de zwasteckete Riebölfunzel. Se fregt uns, wen mr wärn un lobet uns a racht sehr. Dr Uswald will sich bedanken, zug sen Zillinder un krach off dann zinnern Lechter, daß iech dacht, dr Lechter mißt sich in Us sen Zillinder verkruchn hahm. De Riebölfunzel krachet off dan Haustierstah, verbung wie ä Fragezeeng und dan Schreierts vun dr Gettel vergaß iech mei Lebtog nett. Wir hottn nischt Eiligeres ze tun, als de Baa unnern Arm ze nehme un auszureißen. Was de Gettel hinner uns har geschimpft hot, war uns wurscht, mr wärn beinahe noch in Sießmühlngrom neigeroten, weil´s schu su finstr war.

Ä paar Heiser wettr uhm habn mr wieder ahgefangn ze singe, ebbr ´s ging nett meh, mr mußtn vr Lachn wieder aufhörn. Nu sin mr zon Wittig, um dann Kung ze vertehln. Es kriegete ä jeds zwa Kung un zon Sunntig frieh ben Kaffeetrinken sullte nu dr Kung vertilgt wärn. Da stand ah schu dr Vater — er is heite 89 Gahr alt — an Tisch, dar in Gasthuf ze Biere gewasen wor und dort die Tragedie bei der Gettel drfahrn hatte. Die Geschichte wor in Därfel im Nu rim gewasn, un mei Vater ahnet geleich, daß seine Gung drbei gewasen warn.

„Wos hobt Ihr denn gestern Ohmd vir Dummhaten gemacht? Dr Schiefer (was der Polizeier war) wirsch wuhl dn Schangdarm ibergahm. Miet Eich erlebet mr när Schande, Ihr Saugunge!“

Iech ha mich langsam ahgezung un bi zon Uswald gange. Dar sahte abr: „Du, Richard, iech waß schu allens. Die habn an Biertisch selberscht tichtig gelacht, als de Gettel in Gasthuf neigespuckt kam, un de brauchst de Standpauke vun Dein Vater nett su arnst ze namme. Er hat sich ah miet geamisiert iber der schnurrigen Sach, un er hot gemahnt, es söllt miech wunnern, wenn da meine Gung nett drbei gewasen wärn.“

Un dan Kung ho mr dann miet dn gräßten Appetit verzehrt — — un wenn de Kirmißfeiertoge wieder ins Land kumme un iech seh de Leit miet dn Kung durchs Stadtel breschen, dann denk iech immer wieder an de Geschichte vun Gettel sännr Riebölfunzel.

Quelle: Schlettauer Heimatblätter. 2. Jahrgang, Nr. 2 v. 15. Oktober 1926, S. 11 – 12.