Ullrich Wins Rache

Eine anrüchige Bahnhofsgeschichte.

Erzählt von Karl Wendler, Schlettau.

Der Schlätner Bahnhof is, kann m´r song, eengtlich ä richtiger Knot´npunkt. Und daß off setter Verkehrsschtell d´r Dienst nich su äfach is, ka m´r sich denken. Hauptsächlich fier ännen, der´sch Rangiern iberhoht. Meine Herrn! Da kumme Gieterzieg un setzen Wäng weg un die wärn nacherts wieder än annern Zug ahgehängt, un da heeßt´s westerhole, uffpassen, daß mersch ah richtig macht.

Da hatte nu d´r Ullmann Win was los, der wor mei Tog ä feiriger Eisenbahner, er war ah ´n Alten sei rachte Hand. När in d´r Ortegrafie war er nich su racht d´rheeme, un wenn´r Togdienst hatte, saht er zon Graubner Lui, weil der Wächter wor un den Gram Ohmds mit versorng tat: „Du, Lui, wenn de Ohmds Wäng wegsetzt, wos sette olberne Name sei, die schiebste alle off de Fünfe (Gleis 5), die gehen alle nunner nach d´r Miebe.“

Emol wor nu ah su ä richt´ger Wiehltog. De Zieg hott´n än Haufen Verspäting, un vun Crutendorf hatt´n se än Wong mitgebracht, der nach Dobrilugk bestimmt war. Weil nun aber off der Fünfe ka Platz war, hams´n, off de Sechse gestellt. Nu kom frieh mei Win un der Schwarzenbarger Gieterzug fuhr ei. „M´r hom heit ä wenig viel mitzugähm“, saht´r zon Zugfiehrer. Un der manete: „Hotter denn ah genug Bremsn?“ „Ja!“ sahte mei Win, „m´r ham schie ä richt´ge straffe miet drinne, die is vun Crutendorf, die hält ´n Zug eleene.

Der Win hult nu de Wäng vun der Fünfe, bei den gings wie bein Davittel, wenn´r aah krumme Bää hot, daß´n Dinnebier-Fleescher sei Hund durchspringe kunt. Un dardabei kunnte mei Win renne wie ä Wiesel.

D´r Zugfiehrer tat mit´n Assitenten rumfuchteln. ´s wär ä falscher Wang mit d´rbei, sahte der mit d´r Blutblose uff´n Kopp. Wie das mei Win hörte, dachte er für sich, das wird schie dar mit dan olbern Noom sei. Verdambo! Na, ich wer´n när geleich rieber off d´r Woog stußen. Vir Aufreging hot d´r win gar nett dra gedacht, daß d´r Wong ä Bremse hot; er hat sich än Bremsknittel gehult, unnern Arm genumme un ans Trittbrett gehängt. Dann huppet er runner un schiebt dan Bremsknittel nei – – aber, klatsch, log er da un schier: Mei Bauch, au, mei Bauch! Win hatte nämlich dan Bremsknittel nett uhm bei de Radreefen neigesteckt, sundern er war in de Späng geroten, un da hatt´r än setten Schlog gekriegt, daß´n Höhrn und Sehn verging.

Mei Win war ä weng mißtrauisch, uns u dachte er a, se hätt´n hier ihm ä Luder gespielt. Sei Verdacht fiel gelei uff´n Ebersbach Alban. Na ward när, dan wisch ich schu wieder eens aus.

Mei Win wußte nämlich genau, daß d´r Katel Heinrich un der Alban Sunntigs Ohmds immer hinten bein Gieterbuden de Liebespaare beobachten taten. Un daß de Liebesleit nischt gewahr wärn taten, hatt´n die zwaa sich än grußen Kasten gemacht, wu se gerade racht schie neiknien kunnten, un wo se nu durch de Schlitzen alles su racht gemietlich miet ahsähn durften. Die zwaa sin off´n Strimpen geloff´n un a off allen Vieren hiegekrochen wie de Aff´n un´n Heinrich sei Fraa hat ´s schie gemerkt un Spuk gemacht wenig dan trackenden Strimpen, mit dan mei Heinrich eegal ehemkam.

Die zwaa Kastenbrieder wullte nu mei Win heite emol su richtig ausrus´n. Er kaafte sich bein Schubert Lui un bei dan ibrigen Grinwarnfritzen da ´n stinkendsten Kas, un versteckte das Luderzeig nei in das Liebesupfervatorium, un hatte nu schie sei Freed, wenn die beeden neikriechen taten. Die missen in den Schmand neikniee, un stinken missen se wie de Pest, dacht´r bei sich un rieb sich de Händ.

Un richtig! ´s war schie a Liebespaar eigegange un knutschte an d´r Laderampe, als mei Alban un d´r Katel wie ä Paar Vierhänder nach´n Kasten kruchen, um ihrn Beobachtungsposten eizunehm.

Es dauerte ebber nich lange, da kam mei Alban wieder rausgekrochen un fluchete un schimpfte uff´n Katel nei, weil er sich su vergeß´n un de Kist su mörderisch ausgereechert hot. Ich war´sch fei nett, sahte d´r Heinrich, ich denke när, du bist´s selbersch gewesen.

Am annern Tog war der Kasten verschwunden, un vun dar Zeit a könne de Liebesleit wieder ugestört ihre Vissimadenschen bein Gieterbud´n machen.

Quelle: Schlettauer Heimatblätter. 1. Jahrgang, Nr. 7 v. 15. März 1926, S. 11 - 12